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Presseberichte
Zitat aus Mainpost, 14. April 2004:
Leben mit Hoffnung und in Angst
Main-Spessart - Andrea Metzger und Sonja Kaas bilden eine Schicksalsgemeinschaft. Die
Würzburgerin rettete mit ihren Knochenmark-Stammzellen einem Menschen das Leben. Sonja Kaas
aus Rothenburg ob der Tauber besiegte die Leukämie nach der Stammzellen-Spende einer
Hamburgerin. Beide Frauen arbeiten ehrenamtlich im Verein "Hilfe für Anja", damit
Menschen sich in der weltweiten Knochenmarkspenderdatei registrieren lassen. So auch am
Sonntag, 18. April, in Main-Spessart.
Seit November 2000 stehen beide Frauen bei Typisierungsterminen in Franken den Menschen Rede
und Antwort. Beide haben eine persönliche Geschichte.
Sonja Kaas' Leidensweg begann nach einem Zufallsbefund im Januar 1999. Vier Wochen zuvor war
ein Bekannter an Leukämie gestorben. Ihre Mutter schickte die damals 27-Jährige und ihren
Bruder zur Untersuchung, um sicher zu sein, dass alles in Ordnung ist. Ihre Blutwerte stimmten
nicht. "Die Leukozyten (weiße Blutkörperchen) wuchsen auf 120 000 pro Kubikmillimeter an
(normal sind 5000 bis 10 000). Dabei hatte ich keine Schmerzen. Ich war nur müde",
erzählt die 32-Jährige im Gespräch mit der MAIN-POST.
Medikamente reichten nicht mehr
Die medikamentöse Behandlung reichte bald nicht mehr aus. Tragisch bei Sonja Kaas war,
dass sich ein Onkologe (Facharzt für Geschwülste) trotz seiner Zusage ein halbes Jahr nicht
darum gekümmert haben soll, für Kaas einen Knochenmark-Spender zu finden. Positiv war, dass
sie eine schleichende Art der Leukämie hatte. Ab Oktober 1999 erfuhr Sonja Kaas endlich die
richtige medizinische Behandlung. Das Klinikum Großhadern fand über die Knochenmarkdatei eine
Spenderin. Sonja Kaas erzählt von den schmerzhaften Torturen, die Leukämiekranke nun ertragen
müssen und gerne über sich ergehen lassen, wenn nur die Hoffnung auf Leben besteht.
"Eine Woche vor der Knochenmark-Transplantation müssen die restlichen kranken Krebszellen
im Körper abgetötet werden. Die Ganzkörperbestrahlung macht Frauen unfruchtbar. Der Mund- und
Rachenraum entzündet sich schwer. Gegen die Schmerzen bekam ich Morphium", erzählt sie mit
leiser Stimme in Erinnerung an ihre schwerste Zeit im Leben. Übelkeit, Fieber und der Verlust
der Haare sind weitere Begleiterscheinungen der Chemotherapie. Über einen Venenkatheter in der
rechten Brust wurden in den nächsten Monaten der Patienten mehrmals täglich Blut abgenommen
und Medikamente zugeführt.
Transfusion
Vier Stunden lang bekam Sonja Kaas das Blutknochenmarkgemisch ihrer Spenderin infundiert.
Dann, auf der Intensivstation, einsam in ihrem Spezialzimmer, sterilisiert und von Keimen und
Pilzen isoliert, begann das Warten, Hoffen und Beten. "Nach zwei bis drei Wochen sollten
sich die ersten Zellen selbstständig bilden, doch nicht bei mir." Stattdessen wieder
Nebenwirkungen - Nasenbluten, Allergien, Wasser in der Lunge. In der zweiten Woche dann die
erlösende Nachricht. Die Zellen bildeten sich. 33 Tage nach der Transplantation verließ Sonja
Kaas die Klinik. Wie schon im Krankenhaus durfte sie sich nicht infizieren, denn jede Bakterie
konnte sie töten. Ein Jahr nach der Transplantation ging sie wieder unter Menschen und aß
normale Kost. Ein halbes Jahr zuvor hatte sie die Medikamente abgesetzt. Heute führt sie ein
Leben wie vor der Krankheit. Die Bankkauffrau kehrte an ihren Arbeitsplatz zurück. Sie macht
Yoga und trainiert im Fitnessstudio. Ihr nächstes Ziel: Mit dem Rucksack durch Thailand.
Entschluss war schnell gefasst
Die heute 44-jährige Andrea Metzger wusste längst um die Schwere der Krankheit, als sie im
Januar 1998 für eine Stammzellen-Spende angeschrieben wurde. "Die Tochter von Freunden
bekam im Alter von einem halben Jahr Leukämie, die mit Chemotherapie geheilt wurde." Das
war vor 16 Jahren.
Der Würzburgerin hatte ein paar Tage Zeit für die Entscheidung, ob sie spendet oder nicht.
Doch die Mutter einer heute 22-jährigen Tochter zögerte keinen Augenblick. Zu intensiv hat
sie die Krankheit des Kindes ihrer Freunde erlebt. Ihre Familie stand hinter ihrem Entschluss:
"Ich gebe ja nicht viel von mir her, nur ein bisschen Blut." Und wenn man diesem
geringen Einsatz ein Leben retten kann...
In Nürnberg nach gründlichen Untersuchungen entnahmen ihr die Ärzte aus fünf Einstichen im
Beckenkamm ein Blutknochenmarkgemisch. "Nach ein paar Tagen Wundschmerz ging es mir
wieder gut", berichtet die Verwaltungsangestellte. Andrea Metzger räumt mit der
Vorstellung vieler Menschen auf, ihnen würde statt Knochenmark Rückenmark entnommen.
Spender und Empfänger können sich, wenn dies beide wollen, zwei Jahre nach der
Transplantation kennen lernen. So will es die Spenderdatei.
Suche nach dem Lebensretter
Andrea Metzger fand nach langem Suchen mit vielen Umwegen den Mann, der jetzt ihre Blutgruppe
hat. "2001 lernte ich endlich Pascal Padeiro, einen 28-jährigen Automechaniker aus der
Auvergne kennen." Auch der Franzose hatte sich längst auf die Suche nach der Frau gemacht,
die ihm sein zweites Leben schenkte. Die gegenseitige Suche erschwerte die französische
Spenderdatei. Heute sind beide Familien eng befreundet und besuchen sich gegenseitig.
Sonja Kaas besuchte ihre Lebensretterin im Sommer 2002 in Hamburg. Ihr genetischer Zwilling
heißt Stefanie Wobbe. Die 28-jährige Erzieherin ließ sich schon mit 18 registrieren, nachdem
ein Kind im Kindergarten an Leukämie erkrankt war.
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